Von: Dr. Lutz Goertz

Die Strategiekonferenz „Shaping the Digital Turn – Hochschullehre im digitalen Zeitalter gestalten“ am 24. September 2018, die vom Hochschulforum Digitalisierung in Berlin ausgerichtet wird, findet offenkundig großen Zuspruch. Es haben sich bereits so viele Teilnehmende angemeldet, dass für alle weiteren Interessenten eine Warteliste eingerichtet werden musste.

In der Peer to Peer Beratung wurde deutlich, dass es ein großes Interesse gibt sich über strategische Ziele und operative Maßnahmen auszutauschen – im Rahmen einer Strategieentwicklung für das digitale Zeitalter. Diesem Bedarf wird bei der Konferenz in zwei Slots mit fünf bzw. sechs parallelen Workshops zur Entwicklung von Hochschulstrategien mit Blick auf die Digitalisierung und zu deren Umsetzung Rechnung getragen. Die Workshops werden in insgesamt elf Blogbeiträgen an dieser Stelle vorgestellt bzw. nachbereitet.

Für alle, die am 24.9. vor Ort sein werden, geben die Blogbeiträge einen ersten Eindruck zu den Inhalten der Workshops. Für alle anderen, die an diesem Tag nicht dabei sein können, dokumentieren die Blogbeiträge zentrale Inhalte der Tagung. Den Auftakt macht ein Interview mit Frau Dr. Barbara Getto, Teamleitung der AG Hochschule.Digital am Learning Lab der Universität Duisburg-Essen zur Session zum strategischen Ziel „(Wie) der Diversität begegnen? Potenziale der Digitalisierung nutzen“.

Frau Dr. Getto, Sie sprechen in Ihrer Session mit „Diversität“ ein sehr grundlegendes Thema bei der Strategieentwicklung an Hochschulen an. Mit welchen Herausforderungen müssen Hochschulangehörige denn im Bereich Diversity rechnen?

Da ist zum Beispiel das sehr unterschiedliche Vorwissen unserer Studierenden, die sehr starke Heterogenität. Dazu gehören auch die kulturelle Prägung, die sprachlichen Kompetenzen, Selbstlernkompetenzen, aber auch die zeitliche Verfügbarkeit. Da muss man sich überlegen: Wie kann man Lernprozesse gestalten? Aber auch: Wie kann man Prüfungen gestalten?

Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung den Hochschulen, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

Bleiben wir einmal beim Thema „Prüfungen“. Da bieten die digitalen Medien viele Chancen. Zum Beispiel durch eine stärkere Kompetenzorientierung der Prüfung und damit auch eine Abkehr vom „One size fits all“. Mit unterschiedlichen Formaten können Sie hier auch unterschiedliche Zielgruppen stärker kompetenzorientiert prüfen.

Könnten Sie uns ein Beispiel an der Universität Duisburg-Essen nennen, wie digitale Inhalte, Tools oder Prozesse im Zusammenhang mit „Diversity“ dort eingesetzt werden?

Ja, ich werde in der Session das Thema Diversity am Beispiel der Universität Duisburg-Essen vorstellen. Für die Uni Duisburg-Essen ist Diversity ein Profilmerkmal. Wir haben den Claim „Offen im Denken“, also „Open minded“ zu sein. Damit betrachten wir Diversität nicht als Herausforderung, sondern als Chance. Die Universität Duisburg-Essen war die erste Hochschule, die ein Prorektorat für Diversity Management hatte. Wir haben eine sehr spezifische Studierendenschaft, viele Bildungsaufsteiger und viele, die berufsbegleitend studieren. Viele Studierende haben einen Migrationshintergrund und sind Nicht-Muttersprachler. Außerdem haben wir viele Studierende mit Familienverpflichtungen.

E-Learning wird an der Universität Duisburg-Essen schon lange gefördert. Und wir haben diese sehr spezifische Studierendenschaft mit ihrer hohen Diversität. Dann stellt sich die Frage „Wie bekommt man das zusammen?“. Da kann man tatsächlich digitale Instrumente nutzen, um auf das Profil der Hochschule einzuzahlen.

Welche didaktischen Konzepte und digitale Lernformen setzen Sie ein, um der Diversität gerecht zu werden?

Es geht darum, Lernprozesse zu flexibilisieren, also die Studierenden dort abzuholen wo sie sind, sowie individuelle Lernwege und Lerngeschwindigkeiten zu ermöglichen. Außerdem schaffen wir Anlässe, um mit digitalen Medien Kommunikation und Kollaboration im virtuellen Raum zu unterstützen. Auch „Online-Weiterbildung“ ist ein Schlagwort. Hinzu kommt die Förderung von Open Educational Resources, um hierüber zu einer stärkeren Öffnung der Hochschule zu kommen.

Worauf dürfen wir uns in Ihrer Themen-Session freuen?

Wir werden dort Potenziale strategischer Hochschulentwicklung mit Digitalisierung in Bezug auf Diversity ausloten, auch dargestellt am „Case“ der Universität Duisburg-Essen. Wir werden auch gemeinsam überlegen, was Diversität an den Hochschulen der Workshop-Teilnehmenden bedeutet, wie und wo sie die Herausforderungen erleben. Dann werden wir schauen, wie Digitalisierung als Instrument der Hochschulentwicklung dazu beiträgt, dieser Diversität zu begegnen. Mit diesen beiden Fragen werden wir uns beschäftigen. Dabei orientiere ich mich auch am Teilnehmerkreis – je nachdem ob die meisten ihren Schwerpunkt eher in der Lehre oder auf der institutionellen Ebene haben.

Wird die Session denn auch Workshop-Charakter haben?

Auf jeden Fall. Bei mir muss man immer arbeiten (lacht). Das Ganze findet ja unter dem Dachthema Strategieentwicklung statt. Und eine Strategie macht ja auch aus, dass nicht alle die gleiche Strategie verfolgen. Eine Strategie wird sehr individuell auf die eigene Organisation hin entwickelt. Deswegen ist es für die Teilnehmenden auch interessanter zu sehen: „Wie ist das eigentlich bei uns, was kann unsere Strategie ausmachen?“ Es gibt natürlich überall vergleichbare Fragestellungen und Oberbegriffe, aber man muss sehr stark auf die Alleinstellungsmerkmale und das Profil jeder einzelnen Hochschule schauen.

Was man in 60 Minuten leisten kann, ist ja zunächst einmal eine Reflexion. Diese kann als Ausgangspunkt dienen, um an der Stelle konkrete Zielvorstellungen angesichts der Herausforderungen an der eigenen Hochschule zu entwickeln.

Und damit ist dann vielleicht der Anfang zu einer eigenen Diversity-Strategie mit digitalen Medien geschafft. Frau Getto, haben Sie vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf Ihre Session.

 

Dieser Beitrag ist zuerst auf www.digitalisierung-bildung.de erschienen.